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19.06.2015 17:26 Alter: 4 yrs
Kategorie: Chrischona International, Literaturarbeit
Von: Markus Dörr

„Der Westen amputiert seine Seele!“

Vishal Mangalwadi beschreibt die Bibel als Herzstück der westlichen Kultur


Rund 250 Menschen wollten die Thesen von Vishal Mangalwadi hören.

Rund 250 Menschen wollten die Thesen von Vishal Mangalwadi hören.

Vishal Mangalwadi zu Besuch auf St. Chrischona

Vishal Mangalwadi zu Besuch auf St. Chrischona

Was haben Toleranz, Menschenwürde und das Selbstbestimmungsrecht der Völker gemeinsam? Inspiriert wurden diese wichtigen Ideen des Westens alle vom selben Buch: der Bibel. Der indische Theologe und Philosoph Vishal Mangalwadi legte bei einem Vortrag auf dem Chrischona-Campus vor 250 Zuhörern diesen Zusammenhang dar – und zeigte eine Lösung für aktuelle Krisen des Westens.

„Luthers Bibelübersetzung hat die Welt verändert“

Mangalwadis zentrale These handelt von der Bedeutung der Bibel als „Buch der Mitte“, wie er auch sein gleichnamiges Buch zum Thema genannt hat. „Luthers Übersetzung des Neuen Testaments hat die Welt verändert: Dadurch wurde der Westen zu einer denkenden, lesenden Zivilisation“, erklärte der Professor für Praktische Theologie an der Universität von Allahabad (Indien). Die Menschen haben die Bibel gelesen und wichtige Ideen daraus abgeleitet. Beispielsweise die Idee, dass Männer und Frauen als Gottes Geschöpfe gleichwertig sind. Das scheint aus westlicher Sicht selbstverständlich. In Indien jedoch sind die Menschen von Hindu-Lehre und Kastensystem geprägt. Dort herrsche die Ansicht vor, dass Männer und Frauen nicht gleichwertig geschaffen wurden.

Was passiert mit einem Teppich, wenn man den Faden zieht?

Es ist dieser spannende Blick von aussen, der Opens external link in new windowVishal Mangalwadi zu einem interessanten Redner macht. Zudem überzeugte er durch freie Rhetorik und bildhafte Vergleiche. Die westliche Zivilisation verglich er beispielsweise mit einem Teppich, bei dem der Faden gezogen wird. „Der Westen hat seine Seele amputiert. Er weiss nicht mehr, wie er gross geworden ist“, sagte Mangalwadi. Weil der indische Theologe die Bibel als wichtige Inspirationsquelle des Westens sieht, bedauert er umso mehr deren Bedeutungsverlust.

Wie der Westen aus seinen Krisen findet

Als Herausforderungen für den Westen nannte Mangalwadi sowohl Säkularismus als auch Islamismus. Um ihnen zu begegnen, brauche die westliche Welt eine neue Reformation mit der Bibel als rotem Faden. Mangalawadi ist überzeugt: Wenn die Bibel weiter das „Buch der Mitte“ wäre, würde der Westen besser aus den aktuellen Krisen finden – etwa in Griechenland, in der Ukraine und im Nahen Osten.
Beim Vortragsabend konnte Vishal Mangalwadi seine Thesen nur andiskutieren. Dennoch inspirierte er viele seiner Zuhörer, darunter ein Student vom Theologischen Seminar St. Chrischona: „Mangalwadi ging den Weg von der Grundsatztheologie zum einzelnen Menschen – und wieder zurück: Faszinierend!“

Mehr faszinierende Thesen von Vishal Mangalwadi lesen Sie in seinem Buch, das 2014 im Fontis-Verlag Basel erschienen ist. Es heisst: „Opens external link in new windowDas Buch der Mitte. Wie wir wurden, was wir sind: Die Bibel als Herzstück der westlichen Kultur“.

Den Vortrag von Vishal Mangalwadi „Schafft der Westen sich selbst ab?“ können Sie online nachhören und herunterladen: Opens external link in new windowhttps://soundcloud.com/chrischona/vishal-mangalwadi