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09.12.2014 16:45 Alter: 5 yrs
Kategorie: Chrischona Schweiz
Von: Wynentaler Blatt Nr. 93

Neubau, an dem man Jesus kennenlernen kann

Chrischona Reinach AG baut Begegnungszentrum


Alzbachkapelle der Chrischona-Gemeinde Reinach im Aargau

Muss weichen: Die altehrwürdige Alzbachkapelle bietet der Chrischona-Gemeinde Reinach AG nicht mehr genügend Raum.

Portraitfoto von Andreas Ruh, Pastor der Chrischona-Gemeinde Reinach AG

Chrischona-Pastor Andreas Ruh

Grafik des neuen Begegnungszentrums, das die Chrischona-Gemeinde Reinach im Aargau bauen will

Offener, einladender und geräumiger als die alte Kapelle soll das neue Begegnungszentrum der Chrischona-Gemeinde Reinach AG werden.

Der Bauboom bei den Chrischona-Gemeinden im Aargau hält an. In Reinach soll die ehrwürdige Kapelle im Alzbach einem neuen Begegungszentrum mit mehr Räumen für die Chrischona-Gemeinde weichen. Über die letzten 15 Jahre hat die Chrischona-Gemeinde Reinach 1.1 Millionen Franken in einem Baufonds gespart. Ihre Mitgliederversammlung und der Vorstand Chrischona Schweiz haben jetzt grünes Licht für das Bauprojekt gegeben. Pastor Andreas Ruh erklärt im Interview mit dem Wynentaler Blatt, warum die Gemeinde neu bauen will.

Wynentaler Blatt: Die Kernfrage vorweg: Wann soll der Neubau in Angriff genommen werden und bis wann wird die heutige Kapelle aus dem vertrauten Dorfbild verschwinden?
Andreas Ruh: „Noch steht der Entscheid über den Erschliessungsplan unseres Geländes aus, trotzdem möchten wir in den nächsten Wochen das Baugesuch einreichen und hoffen, Mitte nächsten Jahres mit dem Neubau beginnen zu können. Der Rückbau der Alzbachkapelle wird erst nach dem Abschluss des Neubaus beginnen, also etwa in zwei Jahren.“

Verkörpert die Reinacher Alzbachkapelle in ihrer heutigen Form nicht auch ein Kulturgut, über dessen mögliche Erhaltung sich die Verantwortlichen ebenfalls Gedanken machen sollten?
„Wir stossen als Gemeinde mit unserer Infrastruktur an schmerzliche Grenzen. Es wurde in den letzten 17 Jahren viel investiert und verschiedene konkrete Projekte abgeklärt mit dem Ziel, die Alzbachkapelle zu erhalten. Keine dieser Varianten ergab eine befriedigende Lösung – und ein Umbau des alten Gebäudes mit seiner Bausubstanz wäre für uns einfach zu teuer geworden. Als Chrischona Reinach sind wir mit diesem Gebäude auch emotional sehr verbunden. Für sehr viele von uns bedeutet dieses Gebäude ein Stück Heimat. Der Abbruch fällt uns nicht leicht und wir trennen uns in grosser Dankbarkeit und im Bewusstsein, dass dieses Gebäude für viele ein Ort des Segens und der persönlichen Hilfe sein konnte. Wir wollen uns auch würdig davon verabschieden.“

Stichwort Neubaufinanzierung: Die Chrischona-Gemeinde hat sich zum Ziel gesetzt, bis September 2014 rund 500’000 Franken an Spendengeldern zusammenzubringen. Konnte diese Vorgabe erreicht werden?
„Im Februar 2014 entschied die Gemeindeversammlung, dass dieses Projekt nur angegangen werden sollte, wenn bis September weitere 500’000 Franken an Spenden zusammengelegt würden. Dies als Bestätigung, dass dieses Projekt auch genügend Rückhalt in der Gemeinde hat. Dieses Ziel wurde erreicht.“

Wie hoch ist das Gesamtbudget für den Neubau und wer schliesst die noch finanzielle Lücke?
„In den letzten Monaten wurden schon viele Details des Neubaus abgeklärt und die Gemeindeversammlung vom November hat nun dem Kostenvoranschlag von 4,2 Millionen zugestimmt. Bis Ende Neubau haben wir das Ziel, nochmals 250’000 Franken zusammenzulegen. Der Rest bleibt als Verschuldung bestehen.“

Handelt es sich beim Neubauprojekt um eine etwas modernere Form von Kapelle oder eher um ein Mehrzweckgebäude mit sakralem Charakter?
„Mehrzweckgebäude mit sakralem Charakter beschreibt unseren Neubau sehr treffend. Es wird keine Kapelle mehr sein, sondern viel mehr ein Ort der Begegnung.“

Können Sie kurz schildern, welches die wichtigsten Räume sein werden und was sonst noch zur Infrastruktur des Neubaus gehört?
„Schwerpunkt ist der neue Saal für ca. 220 Leute, welcher auch mit der Cafeteria kombiniert werden kann. Die Möglichkeit, nebst den Gottesdiensten die Gemeinschaft zu pflegen, soll durch ein grosszügiges Foyer, die Küche für gemeinsame Essen, den Sitzplatz bei der Cafeteria und dem Kinderspielplatz viel Raum gegeben werden. Im Untergeschoss sind Räume für die verschiedenen Altersgruppen der Kinder- und Jugendarbeit, sowie Büros und Technik vorgesehen.“

Die Chrischona-Gemeinde ist seit Jahren mit grossem Engagement in der Jugendarbeit tätig. Welches sind die Hauptakzente und wie viele Jugendliche profitieren davon?
„Wir investieren mit diesem Neubau auch bewusst in unser Angebot für Kinder, Teenies und Jugendliche. Als Gemeinde mit jungen Familien stossen wir im Moment mit unserem Raumangebot an Grenzen.“

Was macht Ihrer Meinung nach den Unterschied aus zwischen einer Freikirche, wie sie die Chrischona verkörpert, und der Landeskirche?
„Eigentlich müsste man über das Verbindende sprechen, da wir uns doch speziell mit der evangelischen Landeskirche sehr verbunden fühlen. Als Opens external link in new windowstaatlich unabhängige Freikirche sind wir aber weniger gefordert, die ganze Breite an Wünschen und Diensten abzudecken, wie es von einer Landeskirche erwartet wird. Wir funktionieren mehr wie eine verbindliche Familie. Jeder entscheidet, ob er ein Teil davon sein möchte, ob er sich mit unserer Ausrichtung, auch unserem Frömmigkeitsstil identifizieren kann. Als Freikirche decken wir deshalb meistens nur einen Teil der Bedürfnisse ab. Dies ist auch ein Grund, weshalb verschiedene Freikirchen nebeneinander und neben der Landeskirche existieren. Dies verstehen wir als nötige Ergänzung und nicht als Konkurrenz. Unser Neubau ist dabei kein unwesentlicher Aspekt. Unserer Hauptausrichtung auf junge Familien und Jugendliche, mit der Zielsetzung miteinander den Glauben und das Leben zu teilen, muss auch die Infrastruktur entsprechen. Wir freuen uns auf ein offenes Gebäude und möchten die dicken Mauern gerne abreissen.“

Die Chrischona-Gemeinde Beinwil am See wagte sich mit dem Kauf der ehemaligen Täfelifabrik Halter an ein bemerkenswertes Grossprojekt. War ein möglicher Zusammenschluss der Chrischona Reinach mit Beinwil am See jemals ein Thema?
„Die Opens external link in new windowChrischona-Gemeinde Beinwil am See, eine Tochtergemeinde von Reinach, hat sich in den letzten Jahren selbständig so gut entwickelt, dass ein Zusammenschluss sich nicht aufdrängte.“

Vor nicht allzu langer Zeit kam es innerhalb der Chrischona-Gemeinde Reinach zu einer Abspaltung. Haben die Meinungsverschiedenheiten mit den geplanten Neubau etwas zu tun?
„Nein, gar nicht, der Wunsch nach einem Neubau besteht schon viel länger.“

Unter welchem Stern möchten Sie persönlich den Neubau im Reinacher Alzbach leuchten sehen?
„Diese Frage fordert uns sehr heraus. Als Jesus auf diese Welt kam und der Stern über dem Stall stand, haben sich ganz unterschiedliche Menschen angezogen gefühlt: Hirten und Könige. Als Jesus mit seinen Jüngern unterwegs war, haben Menschen in Not, Ausgestossene und Verachtete seine Nähe gesucht. Und sie haben bei ihm Annahme, Wiederherstellung, Würde und Sinngebung gefunden. Wir möchten gerne so ein Ort sein, wo man diesen Jesus kennenlernen kann.“

Dieses Interview ist im Original am 5. Dezember 2014 im Wynentaler Blatt Nr. 93 erschienen.
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