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07.11.2017 19:40 Alter: 17 days
Kategorie: Chrischona International
Von: Markus Dörr

Eisberg unter Wasser

1. Tag der Konferenz «geistlich.emotional.reifen.»


Pete Scazzero, Referent der Konferenz «geistlich.emotional.reifen.»

Referent Pete Scazzero aus New York weiss aus eigener Erfahrung: «Es ist unmöglich, im Glauben Fortschritte zu machen und gleichzeitig emotional unreif zu bleiben.»

Die Konferenz «geistlich.emotional.reifen.» von Chrischona International und Willow Creek Schweiz hat begonnen. Von den Referenten Pete und Geri Scazzero wollen rund 630 Christen mit Führungsverantwortung mehr darüber erfahren, wie sie emotional gesund leiten können. Am ersten Konferenztag auf dem Chrischona-Campus begegneten sie einem Eisberg, einem Hochhaus und ihrem Genogramm.

Natürlich handelt es sich dabei um Metaphern. Pete und Geri Scazzero sind Gemeindegründer, erfahrene Redner und bekannte christliche Buchautoren. Was sie vermitteln wollen, veranschaulichen sie gerne mit bildhaften Vergleichen. Der Eisberg, dessen grösster Teil unter der Wasseroberfläche schwimmt, steht für eine zentrale Erkenntnis, die Pete und Geri Scazzero in ihrem Leben erfahren haben. «Wenn jemand Christ wird, sehen wir Veränderungen an der Oberfläche. Doch was ist mit dem Teil unter der Wasseroberfläche, sind diese verborgenen Aspekte des Selbst auch in Kontakt mit Jesus?», fragte Pete Scazzero. Geri und er haben in einem langjährigen Prozess für sich erkannt: «Emotionale Gesundheit und geistliche Reife sind untrennbar verbunden.»

Fokus: Inneres Leben

Öffnet externen Link in neuem FensterPete und Geri Scazzero plädieren dafür, dass christliche Leitungspersonen ihr inneres Leben nicht für ihr äusseres Leben vernachlässigen. Mit äusserem Leben meinen sie den Dienst, etwa in einer Gemeinde. Zum inneren Leben gehören Fragen wie zum Beispiel: Welche Familienmuster prägen den eigenen Leitungsstil? Welcher Stellenwert hat die Ehe oder das Singleben des Leiters? Wie steht es um die Beziehung des Leiters zu Jesus Christus? Nur wenn das innere Leben auf solide verankerten Pfosten stünde, wie es bei einem Hochhaus der Fall sei, werde das äussere Leben nicht irgendwann in Schieflage geraten.

Familienmuster erkennen

Der erste Konferenztag war darüber hinaus geprägt von praktischen Übungen, welche die Konferenzteilnehmer aus der Zuhörerrolle rissen und zu Akteuren machten. So erstellten sie nach Pete und Geri Scazzeros Anweisungen ein Genogramm. Dabei handelt es sich um einen schematischen Familienstammbaum, der schwierige Beziehungen und negative Prägungen aus der eigenen Familie veranschaulicht. Pete Scazzero erklärte: «Jesus mag in deinem Herzen wohnen, aber Opa steckt dir in den Knochen!»
Zwar waren manche Leitungspersonen damit leicht überfordert, da sie noch nie zuvor einen Stammbaum erstellt hatten, das tat der Wirkung aber keinen Abbruch. Misha Mahendran von der Crossroads International Church of Basel bezeichnete es als «hilfreiche Übung», weil er auf diese Weise ihn prägende Familienmuster identifizieren konnte. «Ich hoffe nun, dass ich Werkzeuge vermittelt bekomme, wie ich damit umgehen kann», erklärte der Konferenzteilnehmer.

Wie Kommunikation in Beziehungen gelingt

Tatsächlich präsentierte Geri Scazzero ein solches Werkzeug: ein Schema aus festgelegten Satzanfängen, die eine gelingende Kommunikation ermöglichen sollen. Angefangen von «Ich bin dankbar …» über «Mir ist aufgefallen …» bis zu «Ich wünsche mir …». Ziel sei es, den eigenen von Gott gegebenen Wert wahrzunehmen und gesunde Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Der direkt auf der Konferenz durchgeführte Selbsttest sorgte für teils begeisterte Rückmeldungen: «Ich werde das in meine Familie mitnehmen», «Das könnte unserer Gemeinde guttun.» Die nächsten Konferenztage bringen weitere konkrete Übungen, die meisten Teilnehmer dürften darauf jetzt noch gespannter sein als vor der Konferenz.